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Alt werden mit einer Behinderung – wer schaut dann zu mir?

Der 30. Oktober 2020 ist der «Schweizerische Tag für pflegende und betreuende Angehörige» und steht dieses Jahr ganz im Zeichen von älteren Menschen mit einer Behinderung und ihren Betreuungspersonen.

Gemäss Bundesamt für Statistik (BfS) lebten 2015 fast 520 000 Menschen mit einer Behinderung im Alter von 65 und älter in Schweizer Privathaushalten, die von zahlreichen Personen aus ihrem Umfeld betreut wurden. Weitere 120 000 Menschen mit Behinderung lebten in Heimen. Und diese Zahlen steigen kontinuierlich.

Menschen, die ihre Angehörigen pflegen und betreuen, leisten über Jahre hinweg unzählige Stunden Gratisarbeit. Laut dem BfS wurden im Jahr 2016 insgesamt 80 Millionen Stunden unbezahlte Arbeit für die Betreuung und Pflege von nahestehenden Personen geleistet. Ohne die betreuenden Angehörigen wäre vieles undenkbar – in der Familie und in der Gesellschaft. Denn nicht jeder kann oder will seine Angehörigen in ein Heim geben. Bauernfamilien kümmern sich besonders oft um die ältere Generation. Denn ihre Lebensumstände ermöglichen eher eine Betreuung zuhause, manchmal fehlen aber auch schlicht und einfach die Mittel für eine auswärtige Betreuung. Der Tag für pflegende und betreuende Angehörige will auf das Engagement dieser Menschen aufmerksam machen und ihnen Möglichkeiten zur Entlastung aufzeigen.

Menschen mit Behinderungen sind im Alter erst recht auf Unterstützung angewiesen. Oft können sich ihre Angehörigen nur noch teilweise oder gar nicht mehr um sie kümmern, weil sie selbst alt geworden sind. Wer stellt dann die Betreuung sicher? Die steigende Lebenserwartung bringt noch mehr Herausforderungen mit sich. Denn das Risiko, an chronischen Leiden zu erkranken, die im Alter zu Beeinträchtigungen führen, steigt ebenfalls. Der Verein «Entlastungsdienst Schweiz» setzt sich dafür ein, dass Betreuung im Alter für alle Menschen sichergestellt ist. Er fordert, dass Betreuung als Arbeit anerkannt wird, gesetzlich geregelt ist, ambulante Betreuung zuhause gleich wie ambulante Pflege gefördert und die IV so weiterentwickelt wird, dass sie die betroffenen Menschen nach der Pensionierung unterstützt.

Am 30. Oktober finden zahlreiche Aktionen in verschiedenen Regionen der Deutschschweiz statt (siehe auch www.angehoerige-pflegen.ch). Über die Gratis-Hotline 0800 501 502 geben Fachpersonen von sechs verschiedenen Organisationen von 9 bis 20 Uhr telefonisch Auskunft zu Unterstützungsmöglichkeiten. Regionale Angebote zur Entlastung von betreuenden Angehörigen finden sich unter anderem hier und bei Spitex, Pro Infirmis, Pro Senectute und beim Schweizerischen Roten Kreuz.

Christian Scharpf
Geschäftsführer
Tel. 056 461 71 11