Hauptinhalt

Für Zeit und Mut zur Nächstenliebe geehrt

Der Prix Agrisano wurde in Bern anlässlich der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes bereits zum dritten Mal vergeben. Der Verein Netzwerk Sense aus Alterswil (FR) sowie eine Bäuerin, die anonym bleiben möchte, wurden für ihr soziales Engagement geehrt.

«Das Netzwerk Sense hat sich über all die Jahre immer wieder an neue Gegebenheiten angepasst und ist ein echtes Bedürfnis in dieser ländlichen Region», begründete Jurypräsidentin Christine Bühler in ihrer Laudatio den Entscheid der fünfköpfigen Jury. Denn bereits 1946 wurde das Netzwerk im Sensebezirk als reformierte Heimpflege gegründet, das schnell und unbürokratisch Hilfe im Haushalt organisiert. Familien und Einzelpersonen mit einem Bauern-, Gewerbe- oder Privathaushalt, aber auch alleinstehende Personen können Unterstützung anfordern, sei es aus krankheits- oder unfallbedingten Gründen oder weil sie alt und gebrechlich oder überlastet sind. Die 18 Mitarbeiterinnen des Netzwerk Sense – vorwiegend Hausfrauen aus bäuerlichem Umfeld – sind auf Abruf einsatzbereit. Sie kümmern sich um Einkäufe, bereiten Mahlzeiten zu, sie putzen oder besorgen die Wäsche und haben ein offenes und verständnisvolles Ohr für die Sorgen ihrer Klienten. Darüber hinaus steht ein engagiertes Freiwilligen-Team für weitere Einsätze bereit.

Der Entscheid der Jury bestätigte sich durch den Applaus der rund 250 anwesenden Frauen, die sich in Bern im Hotel National einfanden. Erstmals wurde der Prix Agrisano nämlich anlässlich der Delegiertenversammlung des Schweizeri-schen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes verliehen – was sehr gut zusammenpasse, wie Francis Egger, Präsident der Agrisano Stiftung, bemerkte. «Denn gerade in der Landwirtschaft wird sehr viel im sozialen Bereich geleistet», betonte er. «Diese unauffälligen Leistungen, wie sie das Netzwerk Sense erbringt, verdienen eine Anerkennung und Wertschätzung». Und genau hier setzt der Prix Agrisano an: Die Agrisano Stiftung, eine Dienstleistungsorganisation des Schweizer Bauernverbandes, würdigt damit alle zwei Jahre ein soziales Engagement im ländlichen Raum.

So überreichten Francis Egger und Christine Bühler den Vorstandsmitgliedern und der Geschäftsstellenleiterin des Netzwerks Sense aus dem Kanton Fribourg den mit 15 000 Franken dotierten Prix Agrisano. «Wir sind hocherfreut darüber», sagte Vereinspräsidentin Marianne Spring, die den Preis im Namen aller Mitarbeiterinnen entgegennahm. Mehr als 6 000 Stunden bei rund 3 000 Einzeleinsätzen wurden im vergangenen Jahr geleistet. Geschäftsstellenleiterin Beatrix Tschannen indes fügte an, dass der Prix Agrisano ein wertvoller finanzieller Beitrag sei. Zu etwas mehr als zwei Dritteln finanziert sich der Verein durch Mitgliederbeiträge und Einnahmen aus den Dienstleistungen. Für den Rest ist er auf Spenden angewiesen.

In der Kategorie Einzelperson ging der Preis an eine Person, die anonym bleiben möchte. Die Gewinnerin ist eine Bäuerin. «Sie hat über lange Zeit – und diese Zeit ist noch nicht zu Ende – in der Nachbarschaft ausserordentliche Hilfe geleistet», sagte Pfarrer Ueli Tobler, Vizepräsident der Jury, in seiner Laudatio. «Wir haben diese Frau besucht und kennengelernt und sagen mit Überzeugung: Der Preis geht an eine würdige Person». Mit dem Prix Agrisano, der in dieser Kategorie mit 5 000 Franken dotiert ist, werden aber auch ihr Mann und ihre Familie geehrt, die diese Hilfe stark mittragen, wie Tobler ausführte. Die heutige Ehrung erinnere daran, dass unsere Gesellschaft nicht nur Konkurrenz und Wettbewerb brauche, sondern auch Zeit und Mut zur Nächstenliebe.