Hauptinhalt

Prämien 2021: Landwirtschaft wird bestraft

Aktuell belaufen sich die Gesamtausgaben im Schweizer Gesundheitswesen auf gut 82 Milliarden Franken. Davon entfallen 32 Milliarden auf die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP), auch Grundversicherung genannt.

Aktuell belaufen sich die Gesamtausgaben im Schweizer Gesundheitswesen auf gut 82 Milliarden Franken. Davon entfallen 32 Milliarden auf die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP), auch Grundversicherung genannt. 416 Millionen Franken hat allein die Agrisano Krankenkasse AG im 2019 für Leistungen in der OKP bezahlt. Weitere 63 Millionen Franken musste sie in den Risikoausgleich einzahlen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg dieser Beitrag deutlich an, und auch den Leistungserbringern (Spitäler, Ärzte, Labore etc.) musste die Agrisano im Vergleich zum Vorjahr 56 Millionen Franken mehr bezahlen.

In diesem und nächsten Jahr prognostiziert die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich einen weiteren Anstieg der Gesundheitsausgaben, was die Prämienzahler erneut belasten wird. Grund ist aber nicht die Coronakrise, wie dies die KOF jüngst prognostizierte. Auf gesamtschweizerischer Ebene sei deswegen nämlich weder mit einem markanten Kostenschub noch einer drastischen Kostenreduktion zu rechnen. Vielmehr führe das Coronavirus zu Verschiebungen zwischen den einzelnen Kostengruppen. Auslöser für den erneuten Anstieg ist also, dass die Kosten für ambulante Behandlungen in Spitälern als auch in Arztpraxen grundsätzlich wieder zugenommen haben, weil die Versicherten immer mehr Leistungen beziehen. Zum Leidwesen der Agrisano Versicherten. Denn die landwirtschaftliche Bevölkerung geht nur dann zum Arzt, wenn es wirklich nötig ist. Dieses eigenverantwortliche Handeln wird immer stärker vom Risikoausgleich torpediert, der im kommenden Jahr die Prämien der Agrisano weiter belasten wird. Das heisst: Kassen wie die Agrisano bzw. deren Kollektiv werden für ihr eigenverantwortliches Handeln bestraft. So wird auch die Agrisano nicht umhinkommen, die Prämien im 2021 anzupassen.

Bis zum 31. Juli müssen die Krankenkassen ihre Prämien 2021 dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) einreichen. Schweizweit über alle Kassen hinweg ist gemäss der KOF und dem Internetvergleichsdienst Comparis mit einem Prämienanstieg von durchschnittlich 3 Prozent zu rechnen. Der Verwaltungsrat der Agrisano Krankenkasse AG hat seine neuen Prämien vor wenigen Tagen festgelegt. Diese dürfen erst im Herbst veröffentlicht werden, wenn sie das BAG genehmigt hat. Die Anpassungen werden je nach Franchise, Versicherungsmodell und Region prozentual teils sehr unterschiedlich ausfallen. Da wohl auch die anderen Krankenkassen ihre Prämien anpassen müssen, wird die Agrisano in vielen Regionen der Schweiz trotz angemessener Prämienerhöhungen nach wie vor zu den günstigsten Kassen zählen – insbesondere, weil die Prämien der Zusatzversicherungen unverändert bleiben.

Christian Scharpf
Geschäftsleiter
Tel. 056 461 71 11