Für andere da sein
Die Agrisano Stiftung zeichnet alle zwei Jahre soziales Engagement im ländlichen Raum mit dem Prix Agrisano aus. Auch 2026 wurden eine Privatperson und eine Organisation für ihren Einsatz geehrt.
«Viele Menschen im ländlichen Raum engagieren sich für andere und leisten wertvolle Arbeit. Oftmals wird ihr Einsatz in der Öffentlichkeit jedoch wenig wahrgenommen und gewürdigt», betonte Francis Egger, Präsident der Agrisano Stiftung, an der Preisverleihung vom 16. Juli 2026 im Rahmen der Stiftungsratssitzung in Windisch. Der Prix Agrisano zeichnet Privatpersonen und Organisationen aus, die sich zum Wohle verunfallter, kranker, betagter oder benachteiligter Menschen einsetzen.
Vier Jahrzehnte Halt geben
In der Kategorie Einzelpersonen würdigte die Jury ein langjähriges, engagiertes Wirken. Die Wahl fiel auf Pius Hager aus Jona SG. Der Agro-Ingenieur HTL war zunächst in Ausbildung und Beratung tätig, bevor er sich ab 1995 vermehrt den zwischenmenschlichen Aspekten in der Landwirtschaft widmete. Ob anspruchsvolle Hofübergaben, Generationen- und Partnerschaftskonflikte oder komplexe Anliegen gegenüber Verwaltung und Politik – Pius Hager steht den Menschen zur Seite. Auch nach seiner Pensionierung im Jahr 2008 setzte er seine Arbeit freiberuflich fort. Mit Einfühlungsvermögen, Pragmatismus, fundiertem Fachwissen und Sozialkompetenz begleitete er unzählige Familien durch schwierige Lebensphasen. Für viele Bauernfamilien ist er seit rund vier Jahrzehnten eine geschätzte Vertrauensperson.
«Sich verantwortlich zu fühlen, ist der beste Weg, das Selbstwertgefühl wieder aufzubauen.»
Jean-Marc Bovay, Gründer der Association de l’Agriculture sociale
Einen fruchtbaren Boden schaffen
In der Kategorie Organisationen wurde die Association de l’Agriculture sociale (ASR) aus der Romandie ausgezeichnet. Gründer Jean-Marc Bovay erklärt die soziale Landwirtschaft gerne mit Bildern aus der Pflanzenwelt: «Wir kümmern uns um Menschen so, wie man sich um Pflanzen kümmert. Unser Anspruch ist nicht, Grosses zu vollbringen. Wir sorgen dafür, dass das Umfeld stimmt. Wurzeln schlagen und wachsen müssen die Menschen selbst.»
Verantwortungsgefühl entwickeln
Bauernhöfe sind aussergewöhnliche Lernorte: Hier werden unterschiedlichste Berufe im Alltag gelebt. Jugendliche können zahlreiche Tätigkeiten ausprobieren: vom Gartenbau über die Landtechnik bis hin zur Tierhaltung und zum Direktverkauf. «Sogar das Rechnen lernt man spielerisch, etwa wenn man den Hühnern Körner gibt», sagt Jean-Marc Bovay. Im Laufe der Jahre hat der Landwirt mit sozialpädagogischer Ausbildung dutzende von Jugendlichen in schwierigen Lebenssituationen bei sich aufgenommen. Der Schlüssel sei, Verantwortungsgefühl aufzubauen. Und dies gelinge, wenn man jungen Menschen Verantwortung übertrage, zum Beispiel, indem sie für die Fütterung eines Tiers zuständig sind.
Ein gesellschaftliches Projekt
Als Mitglied der Dachorganisation Carefarming Schweiz zeigt die ASR, dass Bauernhöfe eine weit grössere gesellschaftliche Rolle spielen können, als nur die Bevölkerung zu ernähren: Ihre Betreuungsangebote fördern das soziale Miteinander und schlagen eine Brücke zwischen Stadt und Land. Durch den Austausch von Erfahrungen und Wissen fördert der Verein die Qualität der Angebote. Zudem setzt sich die ASR für die Anerkennung der sozialen Landwirtschaft als gemeinnützige Dienstleistung ein. Aktuell arbeitet die ASR mit dem Waadtländer Universitätsspital CHUV zur Betreuung von Menschen mit neurologischen Beeinträchtigungen zusammen. Studien belegen, dass Aktivitäten im Freien – insbesondere im landwirtschaftlichen Umfeld – den Gesundheitszustand spürbar verbessern.