Die Drogerie
hinter dem Hof
Seit Jahrtausenden ein wichtiger Begleiter für Vieh und Mensch und heute nach wie vor aktuell: die Luzerne.
Wenn rundherum alles braun und trocken ist, steht die Luzerne (Medicago sativa) immer noch sattgrün da – eine Augenweide! Den Namen «Ewiger Klee» hat sich diese Pflanze damit redlich verdient, denn im trockenen Braun saftiges Grün zu sehen, ist, als könnten durstige Augen endlich trinken. Zu verdanken hat sie dies den Wurzeln, die mehrere Meter in die Tiefe wachsen. Die Wurzeln älterer Pflanzen sollen es gar bis auf 15 Meter bringen.
Die Luzerne, die zu den Hülsenfruchtgewächsen zählt, kennt man zwar seit alters vor allem als Viehfutter, doch wurde sie auch immer wieder für den Menschen verwendet. Heutzutage vor allem als Alfalfa-Sprossen, wobei hierfür meist Medicago x varia zum Einsatz kommt, eine Kreuzung mit M. falcata, dem Sichelklee, auch Gelbe Luzerne genannt. War früher die Nahrung knapp oder benötigte man aufbauende Nahrung nach einer auszehrenden Krankheit, wurden die Blätter, Samen und Blüten getrocknet, gemahlen und zum Strecken von Mehl verwendet. Daneben nutzte man die Wurzeln auch als Zahnbürste. Schliesslich erwähnte bereits der griechische Arzt Dioskurides vor 2000 Jahren, dass sich die Luzerne nicht nur als Viehfutter eignet, sondern empfahl die getrockneten Samen, mit Salz gemischt, als Würzmittel und die zu Brei gestampften frischen Samen für kühlende Umschläge.
Wie bedeutend diese Pflanze für uns Menschen ist, lässt sich auch an Säulenkapitellen in der mittelalterlichen Kirchenburg Valeria in Sion ablesen; diese zeigen in Stein gehauen die Samen von Medicago.
Alfalfa-Sprossen selber ziehen
Die Samen werden zu Beginn für circa 6 Stunden in Wasser eingeweicht. Danach wird das Wasser durch das Sieb abgegossen und grosszügig mit frischem Wasser ausgespült.
Das Glas wird nun kopfüber auf einen Teller gestellt. Unter den Rand wird auf einer Seite ein Gegenstand geschoben, sodass das Glas leicht schräg steht (aufpassen, dass es nicht umfällt). So kann Restwasser gut abtropfen, und die Samen werden durchlüftet.
Nun ist es wichtig, um die Bildung von unerwünschten Mikroorganismen zu verhindern, die Saat zweimal täglich zu spülen und – wieder kopfüber und schräg – hinzustellen.
Alfalfa Sprossen sind nach circa 7 Tagen erntereif, dann sind auch die als Frassschutz gebildeten Stoffe abgebaut. Vor Genuss nochmals gut durchspülen.
Giovina Nicolai
Sie ist Dipl. Drogistin HF, Galenikerin und Bierbrauerin. Ihren Beruf übt Giovina im Labor einer Berner Apotheke aus, ihre Leidenschaft für (Heil-)Pflanzen und die Bierbraukunst teilt sie unter anderem in Workshops – in ihrem eigenen Pflanzenlabor.